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Bleibt im Fokus: Glyphosat

Glyphosat: Vom Herbizid zum Zündstoff

So umstritten die Wirkungen von Glyphosat auf dem Acker sein mögen, so eindeutig wirkt es in Politik und Medien. Wissenschaftler warnen indes vor einer noch kaum beachteten Gefahr.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU)

In der WDR-Talkshow „Hart aber fair“ ging es zur Sache: „Glyphosat-Minister“ Christian Schmidt (CSU) verteidigte in der Sendung mit dem Thema „Der stille Tod der Bienen - wer vergiftet unsere Natur?“ seinen EU-Alleingang. Er habe mit seiner Entscheidung erreicht, dass die EU-Kommission keinen Blankoscheck erhalten habe. Mit Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar und dem Grünen Bundestagsabgeordneten Harald Ebner, Diplom-Agraringenieur und Landschaftsökologe, hatte er zwei Talk-Gegner mit fundierten Argumenten und profundem Faktenwissen. Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), machte auf einen häufig übersehenen Aspekt aufmerksam: „Auch Landwirte wollen ein vernünftiges Einkommen erwirtschaften.“ Solange die Verbraucher nicht bereit seien, deutlich tiefer in die Tasche zu greifen, dürfte es auf absehbare Zeit nicht ohne den massiven Einsatz von Chemie gehen. Hier ist die Sendung in der WDR-Mediathek abrufbar.

Shitstorm gegen Schmidt

Einen engagierten Kommentar gegen den Strich liefert Peter Huth, Chefredakteur der Welt am Sonntag. Er wendet sich gegen den deutschen Alarmismus und gegen den hemmungslosen Shitstorm der Öko-Wutbürger, die Minister Schmidt als eitlen, unfähigen Monsanto-Lakaien titulierten. Huth schreibt: „Glyphosat ist kein Dioxin. Die EU-Kommission hätte der Verlängerung ohnehin zugestimmt. Monsanto war mit der angeblichen Lobby-Entscheidung überhaupt nicht zufrieden. Egal. Das deutsche Kämpferherz ist leicht entflammbar und pflügte als moralischer Panzerzug durch soziale Netzwerke, Stammtische, Talkshows, Kantinenrunden.“

Die unterschätzte Bedrohung

Während der Streit noch eine Weile weiter köcheln dürfte – zuletzt kündigte die SPD eine Anti-Glyphosat-Initiative im nationalen Alleingang an –, machen Agrarwissenschaftler auf eine ganz andere potenzielle Gefahr des Mittels aufmerksam: Kreuzresistenzen gegen Antibiotika. Das medizinische Fachportal DocCheck berichtet über entsprechende Ergebnisse und laufende Forschungen. So seien in den vergangenen Jahren bei Mikroorganismen Kreuzresistenzen gegen unterschiedliche Antibiotika-Klassen und Glyphosat nachgewiesen worden, die parallel zum Glyphosat-Einsatz weltweit massiv zugenommen hätten. Bisher beobachtete Kreuzresistenzen betrafen nach dem Bericht Escherichia coli und Salmonella Typhimurium sowie Benzylpenicillin und verschiedene typische Bodenbakterien.

Besorgniserregende Anreicherung

Eine breit angelegte Übersichtsarbeit über 220 Studien mit dem Titel „Environmental and health effects of the herbicide glyphosate” entdeckte unter anderem eine besorgniserregende Anreicherung von Glyphosat in der Umwelt, Hinweise auf eine chronische Toxizität sowie Glyphosat-Stoffwechselprodukte, die toxischer sind als der Ausgangsstoff. Die Autoren fordern, die erlaubten Rückstandswerte für Glyphosat zu überarbeiten und auch die Rückstände der Metaboliten zu regulieren.

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