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Die erste der beiden Emscher-Tunnelbohrmaschinen nach dem Durchbruch in den Zielschacht in Oberhausen, wo das letzte der drei gigantischen Pumpwerke entstehen wird

Durchbruch für die Emscher

Meilenstein eines Jahrhundertprojekts: Der unterirdische Vortrieb für den Abwasserkanal Emscher (AKE) wurde jetzt in Oberhausen mit dem Durchstich der beiden Tunnelbohrmaschinen beendet.

Es war einer der wichtigsten Momente in der Geschichte des Emscher-Umbaus: Mit dem Durchstich der beiden Tunnelbohrmaschinen in ihre finale Zielgrube hat die Emschergenossenschaft am Montag die unterirdischen Vortriebsarbeiten für den Abwasserkanal Emscher (AKE) für beendet erklärt. Gestartet war der Kanalbau für die künftige abwassertechnische Hauptschlagader des Reviers im September 2012 in Dortmund-Mengede. Die Ankunft im Zielschacht erfolgte nun in Oberhausen in rund 40 Metern Tiefe – drei Meter unterhalb des Meeresspiegels.

Trennen, was nicht zusammengehört

„Der Abwasserkanal Emscher ist das Herzstück unseres Generationenprojektes Emscher-Umbau. Er ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wir den zentralen Fluss des Ruhrgebietes vom Schmutz befreien und revitalisieren können. Diesem Ziel sind wir mit dem heutigen Tag einen großen Schritt näher gekommen“, sagte Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft. Einmal in Betrieb genommen, wird der Abwasserkanal Emscher in einigen Jahren trennen, was nicht zusammengehört: Sauberes Fluss- und Regenwasser wird offen in und durch die Emscher fließen, das Abwasser dagegen unterirdisch im Kanal transportiert.

Von Dortmund bis Einslaken

Der Abwasserkanal Emscher besteht aus Stahlbeton-Kanalrohren mit Innendurchmessern zwischen 1,60 und 2,80 Meter. Er ist insgesamt 51 Kilometer lang und reicht von Dortmund bis Dinslaken. In zehn bis 40 Metern Tiefe fließt das Abwasser mit einer Geschwindigkeit von vier Kilometern in der Stunde. Aktuell wurden bis heute knapp 47 Kilometer verlegt – die Restdistanz bis zum Klärwerk Emschermündung wird „nur“ noch in offener Bauweise und relativ oberflächennah gebaut. Im Bereich des aktuellen Bauabschnittes von Bottrop-Süd bis Oberhausen-Biefang hat die Emschergenossenschaft gemeinsam mit dem von ihr beauftragten Tunnelbauunternehmen PORR eine rund 10 Kilometer lange Doppelrohrtrasse verlegt – insgesamt wurden hier also 20 Kilometer Kanal aufgefahren. Aus diesem Grund stießen auch zwei Maschinen nebeneinander durch die Betonwand der Zielgrube.

Drei gigantische Pumpwerke

Der Abwasserkanal Emscher hat ein Gefälle von 1,5 Promille. Wäre er von Dortmund aus komplett durchgelaufen, würde er in Dinslaken in rund 80 Metern Tiefe ankommen – zu tief, um das Abwasser direkt in das benachbarte Klärwerk einleiten zu können. Also muss es auf der Strecke gen Westen mehrfach gehoben werden. Diese Funktion erfüllen drei gigantische Pumpwerke der Emschergenossenschaft: Die Anlagen in Gelsenkirchen und Bottrop sind bereits im Bau und werden beide in diesem Herbst fertig gestellt. Das dritte Pumpwerk entsteht in Oberhausen in genau der Baugrube, die am Montag den beiden Bohrmaschinen als Zielschacht diente. Hier kommt der Abwasserkanal Emscher in zirka 40 Metern Tiefe an und wird im künftigen Pumpwerk Oberhausen gehoben und anschließend über den letzten Abschnitt des AKE – nun oberflächennah, aber dennoch unterirdisch – in das Klärwerk Emschermündung in Dinslaken eingeleitet. Dort wird das Abwasser gereinigt und wieder der Emscher zugeführt, bevor diese dann in den Rhein mündet.

Tübbingausbau in Oberhausen


Anders als in den anderen Bauabschnitten wurde der Abwasserkanal Emscher in Oberhausen nicht im reinen Rohrvortrieb verlegt, sondern im sogenannten Tübbingausbau. Generell unterscheidet sich der Vortrieb mit Tübbingausbau vom Rohrvortrieb dadurch, dass keine kompletten Rohrelemente durch den Boden geschoben werden, sondern das Rohr aus einzelnen Segmenten direkt in der Vortriebsmaschine hergestellt wird. Während beim Vortrieb ganzer Rohrelemente und somit des gesamten Kanalstranges Reibung im Boden erzeugt wird, begrenzt das Tübbingverfahren die entstehende Reibung auf den Bereich der Vortriebsmaschine, da sie sich als einziges Element bewegt. Folglich bot das Tübbingverfahren den Vorteil, aufgrund der begrenzten Reibung längere Vortriebsstrecken fahren zu können.

Die Emschergenossenschaft


Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband und wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet. Ihre Aufgaben sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz. Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,266 Milliarden Euro investiert werden. Kosten
Diese Kosten werden zu rund 80 Prozent von den Mitgliedern der Emschergenossenschaft getragen, d.h. von Bergbau, Industrie und Kommunen. Knapp 20 Prozent steuern das Land NRW und die EU über Fördermittel bei. Voraussichtlich Ende 2020 soll die Emscher, einst der „dreckigste Fluss Europas“, weitestgehend wieder vom Abwasser befreit sein und – wo der Platz es zulässt – naturnah umgestaltet werden.

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