GWF Wasser Abwasser

Bundesanstalt für Gewässerkunde

Seit Jahrzehnten prägen Steinschüttungen viele Uferabschnitte an der Tide-Elbe. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt „ElbService“ erarbeitet Grundlagen für naturnähere Elbufer. Um die Ansichten der Bürgerinnen und Bürger mit einzubeziehen, startet in den nächsten Wochen eine wissenschaftliche Umfrage in Form einer Fragebogenaktion unter der Bevölkerung von Geesthacht bis Cuxhaven.

© Vincent van Zejst, wikipedia.de


Ufer der Tide-Elbe: Weniger Technik, mehr Natur?


Seit Jahrzehnten prägen Steinschüttungen viele Uferabschnitte an der Tide-Elbe. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt „ElbService“ erarbeitet Grundlagen für naturnähere Elbufer. Um die Ansichten der Bürgerinnen und Bürger mit einzubeziehen, startet in den nächsten Wochen eine wissenschaftliche Umfrage in Form einer Fragebogenaktion unter der Bevölkerung von Geesthacht bis Cuxhaven.


Es wird langsam frisch auf der Parkbank. Die 83-jährige Dame bedankt sich herzlich für das anregende Gespräch über die Elbe und ihre Ufer. Dr. Uta Sauer, Umweltökonomin an der Universität Göttingen, schlägt den Kragen hoch. Für sie war dies eines der Gespräche mit unterschiedlichen Bürgerinnen und Bürgern in Hamburg und den angrenzenden Landkreisen im Vorfeld der Fragebogenaktion. „Zudem hat unser Team Gespräche mit Vertretern verschiedener Behörden und Verbände – vom Wasser- und Schifffahrtsamt Hamburg über den NABU bis hin zum Bauernverband – geführt. Wir wollen herausfinden, wie die Menschen die Ufer der Elbe nutzen und was sie dort für schön und wichtig halten“, erläutert sie. Uta Sauer zu Folge ist bekannt, dass die Menschen grundsätzlich mehr Natur am Elbufer wollen.

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts sind nach und nach große Abschnitte der Elbufer ab Geesthacht mit Steinschüttungen, Spundwänden und anderen technischen Mitteln ausgebaut worden. Das schützt das Ufer vor Abbrüchen, und das Land vor den Deichen kann besser genutzt werden. Die technisch gesicherten Ufer sind aber oft weniger wertvoll für Artenvielfalt, Gewässerqualität und Erholungssuchende. Das Forschungsprojekt „ElbService“ der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) in Koblenz und der Universitäten Göttingen und Kiel untersucht, wie die Ufer im Einklang mit Hochwasserschutz, Schifffahrt und den Ansprüchen der Menschen rückgebaut werden könnten. „ElbService“ wird finanziert durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS).

Etwa 150 der 330 Uferkilometer an der Tide-Elbe sind so stark verbaut, dass sich dort kaum noch Pflanzen finden. Nur gut 40 Prozent sind einigermaßen naturnahe Ufer. Seit Jahren sind jedoch mehr naturnähere Ufer der Tide-Elbe im Gespräch. „Wir können daher auf eine Reihe von Vorarbeiten aufbauen“, freut sich Dr. Carolin Schmidt-Wygasch, ElbService-Koordinatorin in der Bundesanstalt für Gewässerkunde. Die BfG hat unter anderem die Aufgabe, die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) bei ökologischen und naturschutzfachlichen Belangen zu beraten. „Unsere Ergebnisse sollen die WSV und andere Beteiligte bei der anstehenden Unterhaltung unterstützen, um den ökologischen Zustand der Elbufer im Laufe der kommenden Jahre zu verbessern.“

„Wir haben es hier mit einer Art ‚Großprojekt’ zu tun“, betont Dr. Jan Barkmann, stellvertretender Leiter der Abteilung für Umwelt- und Ressourcenökonomik in Göttingen. Die Forscher werden in den nächsten Wochen einigen hundert zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürger für eine repräsentative wissenschaftliche Umfrage einen Fragebogen zusenden. „Wir wissen heute nicht, wie wichtig den Menschen naturnahe Ufer für Erholung und Freizeit aber auch als Lebensräume für seltene oder geschützte Tiere und Pflanzen sind. Ich nenne beispielhaft Stint, Blaukehlchen und Schierlingswasserfenchel.“ Von entscheidender Bedeutung sei, welche finanziellen Belastungen die Bürgerinnen und Bürger noch für tragbar halten. Auch das soll die Umfrage herausfinden, unterstreicht Jan Barkmann.

„Bei der Entscheidung, wo und wie die Ufer naturnah zurückgebaut werden können, sollten die Ansichten aller Betroffenen frühzeitig gehört werden“, so Carolin Schmidt-Wygasch. „Ich hoffe, dass viele Bürgerinnen und Bürger diese Chance nutzen.“

Weitere fachliche Informationen:
Dr. Carolin Schmidt-Wygasch, Fon 0261/1306 5027, Mail: schmidt-wygasch@bafg.de, Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz.

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