GWF Wasser Abwasser
Kann in industrieller Dimension problematisch werden: Spül-Abwasser mit Lebensmittelresten

Absaugen statt wegspülen

Wo Lebensmittel produziert werden, entstehen viel Abfall und Abwasser. Ein EU-Projekt unter deutscher Beteiligung erforscht neue Wege, Kosten und Ressourcen zu sparen. Vakuumtechnologie ist der Schlüssel.

Forscher des Oberhausener Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT arbeiten zusammen mit einer internationalen Arbeitsgruppe im EU-Projekt „BioSuck“ an neuen Lösungen für das Abwasser- und Abfallmanagement in der Lebensmittelindustrie. Die Idee: Mittels Vakuumtechnologie die Abfälle absaugen und auf diese Weise Wasser und Kosten zur Abwasserentsorgung einsparen.

Dr. Christoph Glasner

Prozesse neu denken

Einwandfreie Hygiene ist das A und O in der lebensmittelverarbeitenden Industrie. Doch die heute üblichen Reinigungsprozesse basieren auf der Verwendung von immensen Mengen an Wasser. Dabei entstehen hoch belastete Abwässer, die Kläranlagen häufig an ihre Grenzen bringen. Das internationale Projekt „BioSuck“, koordiniert von Fraunhofer UMSICHT, denkt darum die bestehenden Prozesse des Abfallmanagements neu. Das Ziel: Abwassermengen senken, Reststoffe separieren und sinnvoll weiterverarbeiten. Der Kern des neuen Ansatzes ist ein vakuumbasiertes Abwassersystem, mit dem sich Lebensmittelreste absaugen lassen, als Ergänzung zum CIP-System (Clean-in-place). Das Prinzip dahinter ist nicht neu, erklärt Projektleiter Dr. Christoph Glasner, Abteilung Biomasse- und Reststoffnutzung bei Fraunhofer UMSICHT: „Die Vakuumtechnologie wird beispielsweise schon im Bereich der Hausentwässerung angewandt.“ In der Lebensmittelindustrie habe über den Einsatz dieses Systems allerdings noch niemand nachgedacht.

Vom Abfall zu Biokohle

Neben der Reduzierung des Wasserverbrauchs verfolgt das Projekt »BioSuck« noch ein weiteres Ziel: Die bioenergetische Verwertung von Abfällen aus der Lebensmittelindustrie. Der über Vakuumröhren hygienisch transportierte und konzentrierte Abfall bietet sich für weitere Nutzungswege an, ließe sich zum Beispiel mit Verfahren wie der Hydrothermalen Carbonisierung (HTC) in Biokohle umwandeln. Abhängig von der Zusammensetzung ist auch ein Recycling als Nährstoffquelle oder Futtermittel möglich.

Welcher Weg für wen?

Am Ende des Projekts steht letztlich die Entwicklung eines Entscheidungshilfesystems (englisch: Decision Support System), das für verschiedene Bereiche der Lebensmittelindustrie – wie etwa Getränke, Milchprodukte, Fleisch, Fisch – gezielte Antworten gibt auf Fragen wie: Wo können Vakuumleitungen zur Abfalltrennung umgesetzt werden? Was könnte ein sinnvoller Verwertungsweg für die aufkonzentrierten Abfallfraktionen sein – Biogas, Bioethanol oder Biokohle? Und wie weit können Abwassermenge und Kosten reduziert werden? „Unser Ziel ist es, das Entscheidungshilfesystem in der Lebensmittelindustrie zu etablieren, und auf diese Weise bestehende Prozesse nachhaltiger zu gestalten“, sagt Christoph Glasner.

Nächster Schritt: Testanlage

Bisher haben die Forscher die Abfallströme gängiger Lebensmittelindustrien untersucht, erfasst, gemessen und ihre Zusammensetzung analysiert. Im nächsten Schritt wollen sie eine Testanlage zur Abfallkonzentrierung durch Vakuumtechnologie konstruieren und so die praktische Anwendung im kleinen Maßstab simulieren. Die Fallstudien starten in der zweiten Jahreshälfte 2016. Das Projekt „BioSuck“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und läuft noch bis Ende August 2017.

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Fraunhofer UMSICHT stellt das Projekt vom 30. Mai bis zum 3. Juni auf der IFAT in München, der Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft, vor: Halle A.5, Stand Nr. 217/316

Biokohle aus biogenen Reststoffen
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