GWF Wasser Abwasser
Überwinternde Wasservögel auf dem Bodensee

Gewässerschutz: Experten schlagen Alarm

Zehn Jahre nach Verabschiedung der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt ziehen Experten eine negative Bilanz: 65 Prozent der deutschen Feuchtgebietslebensräume sind akut bedroht.

Dieses ernüchternde Resümee zogen 50 Fachleute und Vertreter von Umwelt- und Naturschutzorganisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei einer dreitägigen Tagung in Radolfzell am Bodensee zur aktuellen Situation der Feuchtgebiete. Das transnationale Seminar mit dem Titel „Aktuelle Herausforderungen für den Schutz von Feuchtgebieten“ wurde gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz. Veranstalter waren der Global Nature Fund, eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung für Umwelt und Natur, und das Netzwerk Lebendige Seen Deutschland, Teil der internationalen Umweltinitiative „Living Lakes“.

Verarmt und instabil

Der Zustand der Gewässer in Deutschland sei alarmierend: Rund 70 % der Wasserkörper weisen nach Daten des Umweltbundesamtes einen mäßigen bis schlechten ökologischen Zustand auf und verfehlen damit die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtinie bei weitem. 65 % der Lebensräume (Biotoptypen) am und im Wasser, Seen, Moore, Feuchtwiesen, sind laut Roter Liste der gefährdeten Biotoptypen in Deutschland akut gefährdet oder sogar von ihrer vollständigen Vernichtung bedroht, so die Experten. Seen in Deutschland seien an Tier- und Pflanzenarten verarmt und ökologisch instabil. Wichtige Ökosystemdienstleistungen könnten nicht erbracht werden oder seien gefährdet. Für einige dieser Lebensräume gebe es kaum Hoffnung auf Regeneration, zu weit fortgeschritten und zu fundamental seien die Schäden.

Hormone, Gülle, Plastik

Der Einsatz von Stickstoffdüngern und Pestiziden, Hormonen und Chemikalien in der Landwirtschaft, die Entsorgung von Gülle aus der Massentierhaltung auf Acker- und Grünlandflächen sowie die intensive Nutzung für Sport und wirtschaftliche Zwecke durch den Menschen ließen Tieren und Pflanzen im und am Wasser kaum Platz zum Leben. Arzneimittel, Hormone und Plastikrückstände seien schon heute in vielen Gewässern und in der limnischen Nahrungskette nachweisbar, mit steigender Tendenz. Die möglichen Folgen seien heute noch kaum abschätzbar.

Der Global Nature Fund (GNF) ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung für Umwelt und Natur mit Sitz in Radolfzell am Bodensee. Die Arbeitsschwerpunkte des GNF liegen in den Bereichen Naturschutz, nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit, Wasser & Living Lakes, Biodiversität & Unternehmen sowie der Umweltbildung.

Das Netzwerk Lebendige Seen ist verknüpft mit der internationalen Umweltinitiative „Living Lakes“, die über 100 engagierte Partnerorganisationen weltweit einschließt. Im Mittelpunkt des Netzwerks stehen die dauerhafte und nachhaltige Entwicklung von Seen und Feuchtgebieten. Das Netzwerk schafft eine Plattform für den Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen den Organisationen, die vor Ort für den Schutz der Seen und Feuchtgebiete aktiv sind.

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