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Eine öffentliche Anhörung des EU-Parlaments hat die Skepsis gegenüber Glyphosat verstärkt

Glyphosat: Anhörung verstärkt Zweifel

Eine EU-Anhörung zum umstrittenen Pestizid Glyphosat am 11. Oktober hat die kritische Haltung vieler Abgeordneter bestärkt. Zweifel an der Einstufung als nicht krebserregend werden lauter.

Bei der gemeinsamen öffentlichen Expertenanhörung des Umwelt- und Agrarausschusses des Europäischen Parlaments bezweifelten viele Redner die offizielle Einschätzung der EU-Behörden für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und für Chemikalien (ECHA), wonach Glyphosat nicht krebserregend sei. So wird beispielsweise Krebsforscher Prof. Christopher J. Portier von der Universität Manchester in den Medien mit schweren Bedenken zitiert: EFSA und ECHA hätten, so sein Vorwurf, Daten der Industrie ungeprüft übernommen und sich nicht mit allen einschlägigen Forschungsergebnissen befasst. Kate Gutton, Toxikologin der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC bei der WHO erklärte den Berichten zufolge, die IARC habe nur begrenzte Beweise für eine Kanzerogenität von Glyphosat bei Menschen gefunden, aber ausreichende Beweise bei Tieren.

EFSA verteidigt sich

Der Leiter der Pestizid-Abteilung der EFSA, Jose Tarazona, wies die Vorwürfe zurück. Es stimme auch nicht, dass die EFSA bei ihrer Prüfung nicht alle Bereiche abgedeckt habe, sagte er. Alle Bewertungen der EFSA seien öffentlich einsehbar, es gehe dabei nicht nur um Monsanto, sondern insgesamt um 24 Unternehmen. Die Agentur habe 1.500 Studien zur Toxizität durchgeführt, auch die Behörden von Japan, Kanada und Neuseeland hätten den EFSA-Befund bestätigt.

Monsanto bleibt draußen

Die Zulassung für den Verkauf von Glyphosat innerhalb der EU läuft Ende dieses Jahres aus. Wegen möglicher Gesundheitsrisiken des Mittels ist unklar, ob die EU diese verlängern wird. Frankreich, Italien und Österreich haben dagegen bereits ein Veto eingelegt. Der US-Agrarkonzern Monsanto, Produzent des glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittel Roundup, hatte sich geweigert, an dem Hearing teilzunehmen. Daraufhin beschlossen die Fraktionsvorsitzenden des EU-Parlaments, den Monsanto-Lobbyisten ihre Zugangsausweise zum Parlament zu entziehen.

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Wird sich noch häufiger mit Glyphosat beschäftigen müssen: das Europäische Parlament in Straßburg
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