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Die Vjosa ist der letzte große Wildfluss Europas außerhalb Russlands

Wissenschaftler gegen Kraftwerkspläne

Zum Internationalen Tag der Flüsse am 25. September forderten 228 Wissenschaftler aus 33 Ländern, auf den geplanten Bau von Wasserkraftwerken an der Vjosa in Albanien zu verzichten.

In einem gemeinsamen Memorandum fordern sie den albanischen Premierminister Edi Rama auf, die Vjosa zu schützen und zumindest für die nächsten drei Jahre auf den Bau von Wasserkraftwerken zu verzichten. In dieser Zeit soll eine seriöse Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) des bislang nahezu unerforschten Flusses durchgeführt werden. Die albanische Regierung hatte vor kurzem ein türkisches Unternehmen mit dem Bau des ersten Wasserkraftwerks (Pocem) beauftragt. Die Genehmigungen stehen noch aus, sowie auch der Nachweis der Umweltverträglichkeit.

Hochkarätige Unterstützer

Zur Gruppe der Forscher, die für die Vjosa kämpfen, gehören unter anderem Prof. Robert Naiman von der University of Washington (USA), zugleich UNESCO Chair for Sustainable Rivers, Prof. Geoff Petts von der University of Westminster (Großbritannien) und aus Deutschland Prof. Michael Succow, Träger des Alternativen Nobelpreises (Right Livelihood Award). „Diese Unterstützung zeigt die globale Bedeutung der Vjosa und wie wichtig nun eine verantwortungsvolle Politik ist, die dem herausragenden Wert dieses Flusses gerecht wird. Es braucht eine seriöse UVP, um die Folgen des Wasserkraftprojekts Pocem belastbar abzuklären“, so Prof. Friedrich Schiemer von der Universität Wien. Die Forscher fordern deshalb ein dreijähriges Moratorium für sämtliche Bauvorhaben an der Vjosa und ihren Zuflüssen sowie ein UVP-Verfahren nach EU-Standards. Weiter soll die systematische Erforschung der Vjosa unterstützt werden, etwa durch ein Team aus albanischen und internationalen Wissenschaftlern. Die Wissenschaftler sagen zu, sich um die Finanzierung eines dreijährigen Forschungsprogramms zu bemühen.

270 Kilometer Länge

Die Vjosa ist der letzte große Wildfluss Europas außerhalb Russlands. Sie fließt auf 270 Kilometer Länge, in Albanien frei von technischen Verbauungen. Große Bereiche sind noch unerforscht. Unter anderem ist noch nichts über die Brutvogelvorkommen der riesigen Flussinseln bekannt. Trotzdem hat die albanische Regierung kürzlich den Bau des Wasserkraftwerks „Poçem“ mit einer 25 Meter hohen Staumauer beschlossen. Die Wissenschaftler unterstützen mit dem Memorandum auch ihre albanischen Kollegen, die sich ebenfalls geschlossen gegen die drohende Zerstörung der Vjosa engagieren. „Die Umweltprüfungen in unserem Land sind in der Regel nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben sind. Unser Wissen über die Flora und Fauna sowie über die Geschiebesituation an der Vjosa ist noch zu gering, um eine seriöse UVP durchzuführen. Wir brauchen Zeit für das dringend nötige Forschungsprogramm an der Vjosa“, so Prof. Aleko Miho von der Universität Tirana.

Von unschätzbarer Bedeutung

„Die Vjosa ist für die Wissenschaft von unschätzbarer Bedeutung. Nirgendwo sonst kann noch untersucht werden, wie die natürliche Dynamik von Flüssen funktioniert, die uns vielfältige Ökosystemleistungen bereitstellt: fischreiche Gewässer, fruchtbare Böden, biologische Vielfalt, sauberes Trinkwasser, Rückhalt von Hochwässern oder Naturerlebnis. Das Wasserkraftwerk Poçem könnte diese Einmaligkeit mit einem Schlag vernichten“, so Dr. Martin Pusch vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin.

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