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Aus einer Wunde in der Landschaft wurde der Kulkwitzer See, heute als Teil des Naherholungsgebiets „Leipziger Neuseelands“ ein wichtiger Touristenmagnet der Region

Tagebauseen: Stille Wasser sind oft gut

Jeder zweite Tagebausee in Deutschland erreicht ein gutes ökologisches Potenzial. Das zeigt ein Bericht des Umweltbundesamts (UBA), das in dem Zusammenhang von „geheilten Wunden“ spricht.

Durch die Flutung alter Braunkohle-Tagebaue entstehen in Deutschland etwa 500 neue, künstliche Seen. Etwa 100 von ihnen sind größer als 50 Hektar und fallen damit unter die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Sie mussten oder müssen bis zum Jahr 2015 oder 2027 ein gutes ökologisches Potenzial erreichen und Deutschland ist über ihre Entwicklung berichtspflichtig. Eine Studie im Auftrag des UBA hat darum Typisierungs- und Bewertungsverfahren für neutrale und saure Tagebauseen in Anlehnung an die Bewertung natürlicher Seen entwickelt und angewendet. Ergebnis: Über die Hälfte der bewerteten Seen erreicht das gute ökologische Potenzial, 47 Prozent verfehlen es.

Größtes künstliches Seengebiet in Europa

Untersucht wurden in der Studie insgesamt 36 Seen in der Lausitz, in Mitteldeutschland, im Rheinland, in Hessen und Bayern. In die Bewertung des ökologischen Potenzials gehen neben biologischen Komponenten wie Plankton und Wasserpflanzen auch Chemikalien im Gewässer mit ein. 19 der Seen haben ein „gutes“ oder „sehr gutes“ ökologisches Potenzial. 12 Seen konnten nur als „mäßig“ eingestuft werden, obwohl sie eine intakte Biologie aufweisen. Sie sind jedoch oft mit zu viel Quecksilber oder hormonell wirksamen Tributylzinnverbindungen belastet. Ein See wurde wegen zu hoher Nährstoffgehalte als „unbefriedigend“ eingestuft. Fünf Seen konnten noch nicht abschließend bewertet werden. Bedingt durch die Abbautechnologien ergeben sich vielfältige Formen der Seen, die nicht auf natürliche Weise in den Regionen vorkommen. Alte Tagebauseen sind meist klein, neue sehr groß, wie der Geiseltalsee in Sachsen-Anhalt, der Senftenberger See in Brandenburg oder der Partwitzer See in Sachsen mit künftig über 1.000 Hektar Wasserfläche. Bis 2018 wird in Brandenburg und Sachsen das größte künstliche Seengebiet Europas entstehen.

Braunkohle bleibt der schmutzigste Energieträger

Trotz dieser „geheilten Wunden“ vergisst das UBA nicht darauf hinzuweisen, dass die Braunkohle insgesamt der schmutzigste Energieträger bleibe. Allein im Jahr 2014 habe sie Umweltschäden in Höhe von 16,8 Milliarden Euro verursacht. Den wesentlichen Teil davon machen die Emissionen von Feinstaub, Stickstoffdioxid und Kohlendoxid aus. Sie entstehen, wenn Braunkohle zur Stromerzeugung verbrannt wird. Eine Kilowattstunde Strom aus Braunkohle verursacht Umweltschäden von fast 11 Cent/kWh. Bei Erdgas sind es nur 5 Cent/kWh. Solarstrom kommt auf lediglich 1 Cent/kWh und die Windkraft verursacht im Schnitt nur 0,25 Cent/kWh. Das spricht – trotz aller Erfolge bei der Renaturierung – eindeutig für einen schnellen und geordneten Ausstieg.

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