GWF Wasser Abwasser
Die erste gat|wat in Köln ist beendet. 2018 trifft sich die Branche in Berlin zur fachlichen Aussprache.

Das war die wat 2017

Drei Tage lang traf sich die Branche in Köln: Die gat|wat 2017 endete am 30. November. Zündstoff gab es reichlich – etwa die verlängerte EU-Zulassung für Glyphosat einen Tag vor Messestart.

Dr. Dirk Waider

Ebenfalls erst wenige Tage alt war die Zustimmung des Bundesrats zur Stoffstrombilanzverordnung, dem letzten Baustein der Novellierung des Düngerechts. DVGW und BDEW, Veranstalter der 71. Wasserfachlichen Ausspracheta­gung (wat 2017), ließen kein gutes Haar an dem Verordnungswerk, das für Dr. Dirk Waider, Vizepräsident Wasser des DVGW, „nach wie vor völlig unzureichend und inakzeptabel“ ist. Die Verordnung lasse Bilanzwerte zu, mit denen sich keine nennenswerte Reduzierung der Nitratbelastungen des Grundwassers erreichen ließen. Ebenso unzureichend ist für Waider der Umgang mit Arzneimittelrückständen. „In Schulnoten ausgedrückt eine 4 bis 5“ vergab der technische Vorstand der Gelsenwasser AG für die politischen Antworten auf die Herausforderungen Nitrat und Spurenstoffe.

Mit Kooperationen gegen Nitrat

Beide Probleme müssten grundsätzlich angegangen werden, so Waider, der End-of-pipe-Lösungen eine generelle Absage erteilte: „Wir unterstützen ausdrücklich die Mikroschadstoffstrategie des Bundes. Oberstes Ziel muss es sein, den Eintrag von Arzneimitteln sowie deren Rückstände in den Wasser­kreislauf zu reduzieren.“ Eine effiziente Strategie zur Verminderung von Arzneimittelrückständen in Gewässern müsse Maßnahmen entlang des gesamten Lebenswegs von Arzneimitteln und vor allem den verantwortungsvollen Umgang mit ihnen umfassen. Schon bei der Zulassung neuer Wirkstoffe müsse die Bewertung wasser- und umweltrelevanter Faktoren zum Standard werden. Beim Thema Nitratbelastung plädiert der DVGW-Wasservize ebenfalls dafür, möglichst vorn in der Kette anzusetzen: „Wir haben einfach zu viel Stickstoff in Deutschland. Wo soll der hin? Eine Wende in der Landwirtschaft ist unausweichlich.“ Die bestehenden Kooperationen mit der Landwirtschaft hätten gute Ergebnisse gebracht. „Sie sollten vertieft, verbessert und, wo nötig, verpflichtend gemacht werden.“

Martin Weyand

Vermeiden ist besser als herausholen

Auch Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des BDEW, sieht großen Handlungsbedarf beim Schutz der Gewässer und Trinkwasserressourcen und bedauerte darum anlässlich der wat 2017 besonders, dass sich nach dem Scheitern der Jamaika-Verhandlungen dringend notwendige Entscheidungen weiter verzögern werden. Der BDEW legt ebenfalls einen Schwerpunkt auf das Thema Arzneimittel. Deren Konsum könne einer Studie zufolge bis 2045 um bis zu 70 Prozent zunehmen. Weyand: „Die Wasserwerke und Abwasserentsorger sind nicht die Reparaturbetriebe einer fehlenden Arzneimittelstrategie.“ Verursacher- und Vorsorgeprinzip müssten konsequent angewandt werden: vermeiden, reduzieren, substituieren – denn: „Einträge zu verhindern ist immer einfacher und günstiger, als Stoffe wieder herauszuholen.“

Mehrkosten durch Nitratbelastung

Die Regelungen zur Reduzierung der Nitratbelastung reichen nicht aus – auch darin stimmte er Dirk Waider zu und bekräftigte die Forderung nach einer Kehrtwende in der Agrarpolitik. Ohne eine Wende drohten nicht nur EU-Strafzahlungen in Milliardenhöhe, sondern auch erhebliche Mehrkosten für die Verbraucher. Nach einem BDEW-Gutachten könnte Trinkwasser in einigen Regionen durch die Nitratbelastung um bis zu 62 Prozent teurer werden.

Reiner Messetag

Insgesamt waren BDEW und DVGW zufrieden mit der gat|wat 2017. Die Teilnehmerzahlen sind nach Angaben des DVGW gegenüber dem Vorjahr erneut gestiegen auf über 7.000. Zum ersten Mal begann in diesem Jahr der Kongress erst am zweiten Tag der gat|wat. Das Feedback darauf war geteilt: Einerseits lobten viele, dass so mehr Zeit zum entspannten Messebesuch an Tag 1 blieb. Andererseits waren die Besucherzahlen am ersten Tag deutlich niedriger. Wie im nächsten Jahr verfahren wird, ist noch offen.

Die gat|wat 2018 findet statt am 23. bis 25. Oktober 2018 im CityCube Berlin.

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