GWF Wasser Abwasser
Mit der Elbe im Hintergrund: die Fachausstellung im Maritim Congress Center Dresden
BDEW-Präsident Johannes Kempmann
Auf dem Podium (v. l.): Gunda Röstel, Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden, Dr. Fritz Jaeckel, Chef der sächsischen Staatskanzlei, BDEW-Präsident Johannes Kempmann und Dr. Fritz Holzwarth, Vorstand von German Water Partnership
Aktuelle Themen sorgten für ein aufmerksames Auditorium
Beim Messerundgang: Gunda Röstel (l.) mit Dresdens Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne, Mitte)

Besucherrekord in Dresden

Die 19. Dresdner Abwassertagung endete wie gewohnt: mit einem Besucherrekord. Rund 600 Fachleute hatten in diesem Jahr die Reise an den Ostrand der Republik angetreten. Sie wurden nicht enttäuscht.

Gunda Röstel

Die Dresdner Abwassertagung (DAT) hat sich längst einen festen Platz unter den Top Five der Branchentreffs in Deutschland erarbeitet und darf mit Fug und Recht in einem Atemzug mit Essen, Göttingen, Oldenburg und Lindau genannt werden. 105 Messestände und ein hochkarätiges Referentenaufgebot sorgten auch bei der 19. Auflage dafür, dass sich die mitunter recht weite Anreise für alle lohnte.

Klärschlamm und Phosphor

Klärschlamm soll nicht mehr auf die Äcker, Phosphor muss zurückgewonnen werden und eine vierte Reinigungsstufe soll als End-Of-Pipe-Lösung Herstellern und Verbrauchern das Gewissen erleichtern – Grund genug für die Branche, sich zu einem kritischen Austausch und Blick in die Zukunft zu treffen. „Wir müssen reden“, lautete denn auch zwischen den Zeilen die Botschaft von Gastgeberin Gunda Röstel, Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden. Und zwar nicht nur „wir Fachleute“ miteinander, sondern auch mit anderen Beteiligten, mit Pharmaindustrie und Landwirtschaft, mit Ärzten und letztlich mit allen Verbrauchern.

„Unsere Systeme funktionieren“

Minister Fritz Jaeckel, der Chef der sächsischen Staatskanzlei, konnte in seiner Rede beachtliche Erfolge der vergangenen Jahrzehnte vorweisen, warnte aber auch vor zu hohen Belastungen für die Wirtschaft. „Unsere Systeme funktionieren und sollten nicht immer durch neue Verschärfungen erschwert werden.“ Die Aufarbeitung des Klärschlamms werde beispielsweise zu einer Erhöhung der Kosten von etwa fünf Cent pro Kubikmeter führen, bis zu sieben Cent seien es für die Phosphorrückgewinnung.

Vierte Reinigungsstufe

Auch Johannes Kempmann, Präsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), hatte Erfolge zu präsentieren: Die längeren Übergangsfristen bei der Phosphorrückgewinnung seien auf den Einfluss des BDEW zurückzuführen. Eine vierte Reinigungsstufe, so sein klares Statement, sei allenfalls in einigen wenigen Regionen sinnvoll und verleite ansonsten zu einer verhängnisvollen Gedankenlosigkeit, nach dem Motto: „Da gibt's doch welche, die werden das schon reparieren.“

Vergessene Vorzüge

Dr. Fritz Holzwarth, Vorstand von German Water Partnership, brachte die oft für selbstverständlich genommenen Vorteile der deutschen Wasserbranche ins Bewusstsein, indem er an die Flasche Wasser im Hotelzimmer erinnerte. Dort, im Urlaubsland, reflektiere man manchmal kurz die Leistung, die hinter dem bedenkenlos trinkbaren Leitungswasser hierzulande steckt. „Und das Gleiche gilt auch für die Entsorgung. Wir müssen unser Know-how einfach besser auf die Straße bringen, ins Bewusstsein der Menschen.“ Und nicht zuletzt sei eine intakte Verwaltung wie die unsrige ein kaum zu überschätzender Vorteil.

Fachvorträge und Ausstellung

Die Vorträge im zweiten Teil befassten sich unter anderem mit der optimalen Koordination beim innerstädtischen Leitungsbau, mit der Inspektion und Wartung von Abwasserdruckleitungen, mit der Klärschlammverwertung und der Revision von Kläranlagen. In der begleitenden Fachausstellung präsentierten Hersteller, Planer, IT-Experten und Dienstleister ihre Innovationen aus der Umwelttechnik.

Nach der DAT ist vor der DAT

Was 1998 als Workshop rund um die Kanalsanierung begann, war schon 2009 zu einer Tagung mit rund 250 Teilnehmern herangewachsen und hat seine Teilnehmerzahlen in den letzten fünf Jahren erneut verdreifacht. Üblicherweise ist schon wenige Tage nach der DAT ein Großteil der Ausstellerplätze fürs nächste Jahr vergeben.

Die 20. Dresdner Abwassertagung findet statt am 6. und 7. März 2018.

Lesen Sie das Exklusiv-Interview mit Gunda Röstel über die vierte Reinigungsstufe und kostendeckende Gebühren, über das wachsende Dresden und die Elbe und über den Versuch, Verbraucherverhalten ohne Ermahnungen zu ändern, in der nächsten Ausgabe der gwf Wasser|Abwasser. Das Heft erscheint am 10. April.

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